Mattheiser Osterkerze 2021

Die diesjährige Osterkerze ziert der Introitus, also der Eröffnungsgesang der Messe am Ostersonntag. Dabei werden nur das Notensystem sowie das Eröffnungs- und das Schlusswort dargestellt. Durch diese Reduktion auf das Wesentliche tritt die Botschaft deutlicher hervor: Auferstanden – halleluja!

Während die blauen Notenlinien in gleichmäßigem Abstand das Weiß der Kerze strukturieren, setzen die roten Noten abwechslungsreiche Akzente. Die gregorianischen Neumen, wie diese Form der Notation genannt wird, lassen in ihrer Anordnung und Linienführung den Melodieverlauf grafisch erscheinen.

Wie eine Girlande zieht sich das Notenband um die Kerze. Auch wenn im Jahresverlauf die Kerze niederbrennt, die Auferstehungsbotschaft bleibt für uns sicht- und spürbar. An jedem Sonntag zünden wir die Osterkerze an und feiern so immer wieder neu Jesu Auferstehung. Ihr Licht ist ein strahlendes Lebenszeichen!

Auch die Melodie vermag Lebenszeichen zum Klingen zu bringen. Dabei ertönt weniger ein überbordender Osterjubel, vielmehr eine zurückhaltende Freudenmelodie, in die sich wohl auch das Fragen und Zagen einmischen. So wird es bestimmt den Frauen und Männern ergangen sein, die zuerst am offenen Grab waren. Überraschung und Verängstigung wichen Schritt für Schritt einer frohen Gewissheit: Jesus lebt!

Und auch unsere Lebensmelodien sind nicht immer himmelhochjauchzend, sondern manchmal eher sorgensummend oder trosttragend. Wir können damit unseren Lebenswirklichkeiten gerade dann Ausdruck verleihen, wenn Worte an ihre Grenzen kommen. Lassen wir also die klingende Osterbotschaft in uns tönen und Resonanz finden, in unserer je eigenen Tonart.

 

                   Bruder Simeon Friedrich OSB