Mattheiser Osterkerze 2022

Die Gestaltung der diesjährigen Osterkerze greift ein weltliches Motiv auf: So genannte Liniennetzpläne kennen wir aus dem öffentlichen Personennahverkehr, mit ihnen werden Netze von Bus- und Bahnlinien möglichst übersichtlich dargestellt. Dabei werden einzelnen Linien unterschiedliche Farben zugeordnet, so dass ihr gesamter Fahrtweg nachvollzogen werden kann. Außerdem werden die Stationen oder Haltestellen im Linienverlauf angezeigt, Umsteigemöglichkeiten sind besonders gekennzeichnet.

Diese Gestaltungselemente von Liniennetzplänen finden sich auch auf der Osterkerze: Linien unterschiedlicher Farben formen ein Kreuz sowie eine Mandorla, die auch als Symbol für Jesus Christus gilt. Das Zentrum ist farbig leicht hervorgehoben und wird durch die Dichte der Linien zusätzlich betont. Die Linien bzw. Linienbündel werden von Punkten unterbrochen, welche die Haltestellen symbolisieren – aber auch an Perlen von Rosenkränzen erinnern können.

Aber warum ein Liniennetzplan auf einer Osterkerze? Die Spannung zwischen verkehrsplanerischer Darstellungsform und christlicher Botschaft will zum „Um-die-Ecke-Denken“ anregen. Unser Christsein beschränkt sich ja nicht auf sakrale Orte oder stille Gebetskämmerlein, sondern es durchdringt unser ganzes Leben und prägt unseren Alltag. So sind wir immer auch als Christinnen und Christen unterwegs, ob gemeinsam oder alleine. Manchmal verlaufen unsere Lebenslinien parallel, manchmal müssen wir mehrfach umsteigen und manchmal sitzen wir scheinbar alleine im Fahrzeug. Aber Jesus Christus ist immer mit „an Bord“, ob wir uns dessen bewusst sind oder nicht.

Die österliche Dimension dieses Bildes begegnet uns im „Emmaus-Evangelium“ (Lukas 24, 13-35), das wir am Ostermontag hören können. Der Auferstandene gesellte sich zu den beiden Jüngern auf ihrem Weg von Jerusalem nach Emmaus – plötzlich und zunächst unerkannt. Doch nachdem ihnen die Augen aufgegangen waren, änderten sie ihr Ziel: Sie kehrten zurück, um von ihrer frohmachenden Begegnung zu berichten.

Mögen auch wir sagen können: „Brannte nicht unser Herz in uns, als er unterwegs mit uns redete und uns den Sinn der Schriften eröffnete.“ (Lk 24, 32) Und teilen wir diese Osterbotschaft mit den Menschen entlang unserer Wege!

Bruder Simeon Friedrich OSB