Mönchtum in St. Matthias

Das Mönchtum ist eine Lebensform. Es ist eine Möglichkeit, auf die Erfahrung Gottes im eigenen Leben zu antworten. Der Kern dieser Lebensform liegt darin, dass der Mönch auf Ehe und geschlechtliche Partnerschaft verzichtet. Er will damit zum Ausdruck bringen, dass er seine ganze Hoffnung und Sehnsucht auf den wiederkommenden Herrn richtet, der die Welt vollenden wird, und dass er sich mit seinem ganzen Leben von der Freundschaft und dem Willen dieses Herrn in Anspruch nehmen lassen will. Zu diesem Zweck schließt er sich mit anderen Mönchen zu einer Gemeinschaft zusammen. Sie versuchen, miteinander den Weg der Nachfolge zu gehen, ihr Leben nach den Worten Jesu auszurichten und in ihrem gemeinsamen Alltag seinen Geist erfahrbar zu machen. Dabei stützen sie sich auf die Erfahrungen des Mönchtums durch die Jahrhunderte, die sich für uns als Benediktiner vor allem in der Regel des heiligen Benedikt bezeugt.

Bestimmte Elemente sind für diese Lebensform zu allen Zeiten prägend. Vor allem sind hier zu nennen: der gemeinsame Gottesdienst in seinem täglichen Rhythmus und das persönliche Gebet, die Arbeit, die gegenseitige Achtung und die Anerkennung des Leitungsdienstes des Abtes, der Verzicht auf persönlichen Besitz und die gegenseitige Verantwortung.

Das Gelingen eines solchen Lebens hängt an der Gestaltung des gemeinsamen Alltags. Die Elemente des Mönchtums müssen in Einklang gebracht werden mit den Aufgaben und Erfordernissen, die sich aus der konkreten Situation einer Mönchsgemeinschaft ergeben. Auf den folgenden Seiten soll versucht werden, den Alltag unseres gemeinsamen Lebens in der Abtei St. Matthias zu beschreiben.

Wir bilden eine Lebensgemeinschaft. Das bedeutet, dass wir uns auf Lebenszeit aneinander gebunden haben und nicht in eine andere Abtei „versetzt“ werden können. Zur Zeit besteht unsere Gemeinschaft in Trier aus 11 Mönchen. Das Alter bewegt sich einigermaßen gleichmäßig zwischen Anfang dreißig und Ende siebzig. Das Besondere an unserer Abtei ist sicherlich die Lage in der Abtei in der Stadt Trier. Daraus erwachsen für uns Chancen aber auch Herausforderungen und Aufgaben.

Tagesablauf

Unser Tagesplan sieht an einem normalen Wochentag gegenwärtig so aus:

  • 05.45 Uhr Matutin und Laudes
  • 06.30 Uhr Tagesbesprechung;
    anschließend Zeit zur persönlichen Verfügung und Gelegenheit zum Frühstück
  • 08.00 Uhr Arbeitszeit
  • 12.30 Uhr Mittagsgebet, anschließend gegen
  • 12.45 Uhr Mittagessen, anschließend Zeit zur persönlichen Verfügung
  • 14.30 Uhr Arbeitszeit
  • 18.15 Uhr Vesper und Eucharistiefeier
  • 19.15 Uhr Abendessen
  • 20.00 Uhr Komplet
  • 20.15 Uhr Zeit zur persönlichen Verfügung

Eine Ausnahme bildet der Donnerstag, an dem um 20.00 Uhr normalerweise eine Versammlung der Gemeinschaft stattfindet. Dadurch verschiebt sich die Komplet auf 21.00 Uhr. Zudem überprüfen wir in regelmäßigen Abständen die Ordnung unseres Alltags insgesamt, um sie wechselnden Bedürfnissen und Gegebenheiten anzupassen.

Elemente des Tages

Unser Alltag wird durch eine feste Struktur gegliedert. Verschiedene Elemente finden sich über den Tag verteilt.

Gottesdienst

Die gemeinsame Liturgie hat zum Angelpunkt den Morgen – und Abendgottesdienst. Der morgendliche Gottesdienst heißt Matutin bzw. Laudes, der am Abend Vesper. An die werktägliche Vesper schließt sich ohne eigenen Wortgottesdienst die Eucharistiefeier an. Über den Tag hin gibt es zwei kurze gemeinsame Gebetszeiten (kleine Horen), nämlich das Mittagsgebet (Sext) und das Nachtgebet (Komplet).
Am Samstagabend und am Vortag hoher Feiertage feiern wir einen längeren Wortgottesdienst (Vigilien). Am Sonntagmorgen gestalten wir die Eucharistiefeier gemeinsam mit der Pfarrgemeinde.

Persönliches Gebet

Damit das Leben des einzelnen in der Gemeinschaft nicht oberflächlich wird, braucht es neben der Mitfeier des gemeinsamen Gottesdienstes auch Zeiten der persönlichen Zuwendung zu Gott (persönliches Gebet). Hierfür haben wir im Tagesablauf eine halbe Stunde zwischen der Sext und dem Mittagessen vorgesehen.
Es ist aber Sache jedes Einzelnen, wann er Zeiten der Sammlung und Stille, der Besinnung und des persönlichen Betens hält.
Einmal im Monat kann er einen „stillen Tag“ ganz dem Gebet und der Besinnung widmen.

Mahlzeiten

Zu gemeinsamen Mahlzeiten treffen wir uns am Mittag und am Abend. Beim Mittagessen haben wir Gespräch. Beim Abendessen schweigen wir und es wird aus Artikeln oder Büchern vorgelesen, die für alle von Interesse sind. An Sonn- und Feiertagen hören wir Musik.

Freizeit

Auch so etwas wie Freizeit gibt es im Kloster. Um das Leben ganzheitlich zu gestalten, muss es Möglichkeiten geben, z.B. Musik zu machen, Sport zu treiben, Zeitungen und Bücher zu lesen oder sonst Dinge zu tun, die einem Spaß machen. Einen Teil unserer Freizeit verbringen wir gemeinsam, z.B. bei Spaziergängen und Besichtigungen. Hierher gehört auch das Feiern von Festen und nicht zuletzt das zwanglose Zusammensein bei einer Tasse Tee oder Kaffee. Die Erfahrung, bei anderen Menschen aufgehoben zu sein, ist auch auf diese Ebene angewiesen.
Einmal im Jahr machen wir auch Urlaub. Im Sommer fahren wir für drei Wochen – gleichzeitig, aber nicht unbedingt gemeinsam – in Erholung. Darüber hinaus machen wir gemeinsam Ausflüge bzw. Wandertage.

Arbeit

Zum Tagesablauf gehört selbstverständlich auch die Arbeit.

Um den Altbau gruppieren sich Gästehaus, Verwaltung mit Bibliothek, Wirtschaftsgebäude und Werkstätten. Links unten ist ein Teil des "Schammatdorfes" zu erkennen, auf der Nordseite der Kirche liegen der Friedhof und die Gebäude der Pfarrei St. Matthias.
Um den Altbau gruppieren sich Gästehaus, Verwaltung mit Bibliothek, Wirtschaftsgebäude und Werkstätten. Links unten ist ein Teil des "Schammatdorfes" zu erkennen, auf der Nordseite der Kirche liegen der Friedhof und die Gebäude der Pfarrei St. Matthias.

Arbeit

Jeder, der nicht durch Krankheit oder die Gebrechen des Alters behindert ist, hat seine Arbeit. Die Art der Tätigkeiten und die Einzelheiten der Arbeitszeit vereinbart der Mönch mit dem Abt. Die Berufe, die wir ausüben, sind von Eignung und Neigung des Einzelnen einerseits, von den Bedürfnissen der Gemeinschaft und den Anforderungen aus der Umgebung andererseits bestimmt. Drei Tätigkeitsfelder lassen sich unterscheiden:

1.)

Im Rahmen der Leitung und Verwaltung der Abtei arbeiten der Abt, der Magister (zuständig für die Novizen), der Cellerar (der für die Verwaltung des Vermögens zuständig ist), der Bibliothekar, der Sakristan usw.

2.)

Eine Anzahl von Brüdern arbeitet in einem „normalen“ Arbeitsverhältnis. Dies kann zum einen innerhalb der Betriebe der Abtei geschehen, z.B. als Maurer, Verkäufer oder Schreiner. Es gibt aber auch die Möglichkeit außerhalb des Klosters zu arbeiten. Da unsere Abtei ein Stadtkloster ist, sind die Möglichkeiten hier recht vielfältig. Momentan sind Brüder im Jugendamt und am Amtsgericht tätig.

3.)

Schließlich gibt es noch Berufstätigkeiten innerhalb der sogenannten Dienste.

Dienste

Als „Dienste“ bezeichnen wir jene Tätigkeiten, die wir als Gemeinschaft übernommen haben, um uns in Kirche und Gesellschaft zu engagieren. Momentan sind das fünf große Bereiche

1. Pilger

Die Pilgergruppen, die zum Grab des Apostels Matthias in unsere Abteikirche kommen, werden von uns empfangen. Die Hauptpilgerzeit ist zwischen Christi Himmelfahrt und Pfingsten. Die meisten Pilger haben sich in sogenannten „St. Matthias – Bruderschaften“ zusammengefunden, denen der Pilgerpfarrer auch das Jahr über zur Verfügung steht. Hinzu kommen Führungen und Gespräche, insbesondere für Schulklassen und Firmbewerber.

2. Seelsorge

Mitarbeit in der Pfarrei St. Matthias (mit den Kirchen St. Matthias, Herz Jesu und St. Valerius) und Seelsorge für Menschen, die aus ganz unterschiedlichen Gründen die Kirche aufsuchen oder zu Gast in der Abtei sind.

3. Gäste

Unsere Gemeinschaft nimmt Gäste auf, die von zwei Brüdern betreut werden.

4. Ökumene

Seit vier Jahrzehnten engagiert sich unsere Gemeinschaft insbesondere in der ökumenischen Arbeit, d.h. bei dem Bemühen um die Einheit der Christen. Dies kommt nicht nur in bestimmten, z.B. wissenschaftlichen Tätigkeiten zum Ausdruck, sondern auch in unseren Beziehungen und bei der Gestaltung der Gottesdienste.

5. Schammatdorf

Neben den Klostergebäuden entstand Ende der 70er Jahre in Zusammenarbeit der Abtei mit einer Trierer Wohnungsbaugesellschaft und der Stadt Trier das sogenannte „Schammatdorf“. Von den ca. 285 Bewohnern in den 144 Wohnungen sind eine bestimmte Anzahl in der Weise beeinträchtigt, dass sie normalerweise nicht selbständig leben könnten oder vereinsamen würden, z.B. behinderte oder alte Menschen. Durch eine soziale Architektur und engagierte Nachbarschaft soll ihnen ein selbständiges Wohnen ermöglicht werden. Darüber hinaus ist das Schammatdorf der Versuch, ein nachbarschaftliches Leben in der Anonymität der Großstadt zu schaffen.

Der Kapitelsaal, Ort offizieller Versammlungen der Gemeinschaft, z.B. Gesangssübungen, tägliche Arbeitsbesprechung, Einkleidung von Novizen oder Wahl des Abtes; aber auch Ort der Aufbahrung eines verstorbenen Bruders.
Der Kapitelsaal, Ort offizieller Versammlungen der Gemeinschaft, z.B. Gesangssübungen, tägliche Arbeitsbesprechung, Einkleidung von Novizen oder Wahl des Abtes; aber auch Ort der Aufbahrung eines verstorbenen Bruders.

Gemeinsame Verantwortung

Die gemeinsame Verantwortung für das Gelingen unseres Lebens drückt sich aus in den Versammlungen der Gemeinschaft und vor allem auch im Dienst des Abtes.

Versammlungen

Für die Entwicklung der Gemeinschaft sind ihre Versammlungen wichtig. Da gibt es bei uns einmal die Konventssitzungen, in denen wichtige gemeinsame Belange besprochen und entschieden werden. Dann finden Vorträge und Gespräche über Fragen unseres religiösen Lebens oder Aussprachen über die Gestaltung unseres Alltags statt. Auch zum Einüben von Gesängen für den Gottesdienst (Cantus/Statio) finden wir uns zusammen. Schließlich sprechen wir einmal in der Woche untereinander über Fragen des persönlichen Lebens und über unsere Beziehungen untereinander. Durch die aktive Beteiligung an diesen Versammlungen kommt die gemeinsame Verantwortung für unser Leben zum Ausdruck. Auf der Suche nach Lösungen und Entscheidungen üben wir uns darin, nicht unbedingt eigene Interessen und Vorstellungen durchzusetzen, sondern im Hören aufeinander Gottes Willen zu erspüren. Für die Zusammenkünfte stehen uns zwei bis drei Stunden pro Woche und gelegentlich auch die Nachmittage eines Wochenendes zur Verfügung.

Der Abt

Er hat die Aufgabe und ist dafür freigestellt, Anwalt des Evangeliums in der Gemeinschaft zu sein. Er soll ganz besonders darauf achten, dass der einzelne Mönch, aber auch die Gemeinschaft als Ganze auf dem Weg der Nachfolge Jesu verbleibt. Dazu spricht er häufig mit den einzelnen Brüdern und hält regelmäßig Ansprachen an die Gemeinschaft. Im Alltag trifft er die vielen kleinen Entscheidungen, die für das Funktionieren des Gemeinschaftslebens notwendig sind. Außerdem vertritt er die Gemeinschaft nach außen. Wir wählen unseren Abt auf eine Zeit von acht Jahren.

Gütergemeinschaft

Nach dem Vorbild der christlichen Urgemeinde haben wir alles gemeinsam. Das bedeutet, dass die Dinge, die der Bruder in persönlichem Gebrauch hat, z.B. die Einrichtung seines Zimmers, ihm nur zur Benutzung anvertraut sind, ihm aber nicht gehören. Viele Sachen benutzen wir auch gemeinsam, z.B. die Autos und die Zeitungen. Alle, auch persönliche Einnahmen fließen in eine Kasse. Wenn ein Bruder Geld braucht, etwa für den Kauf von Kleidung, so erhält er dies. Außerdem kann sich jeder einen kleinen Betrag als Taschengeld in der Verwaltung abholen. Dabei gilt der Grundsatz, dass nicht allen die gleiche Summe zugeteilt wird, sondern dass jeder soviel bekommt wie er braucht. Hier ist jeder Einzelne in die Verantwortung gerufen – sowohl für das gemeinsame Vermögen, als auch für die eigene Anspruchslosigkeit.
Zur Gütergemeinschaft gehört auch, dass wir unsere Ausgaben gemeinsam planen. Dazu wird jährlich ein Haushaltsplan aufgestellt und vom Konvent verabschiedet.
Unsere materielle Lebensgrundlage bilden die Gehälter aus der Arbeit des Einzelnen; von ihnen bestreiten wir die Lebenshaltungskosten. Außerdem hat die Abtei noch Grundvermögen, das in Pacht und Erbpacht vergeben ist. Der Zins wird dafür verwendet, die Kosten für den Unterhalt der Gebäude und ihre Bewirtschaftung zu decken. Stiftungen und Spenden verwenden wir für die kirchlichen und sozialen Tätigkeiten unserer Gemeinschaft.

Mönch werden

Du spürst etwas, das du „Sehnsucht nach Gott“ nennst (nennen könntest).
Du möchtest ihm dein Leben mehr und mehr überlassen, also:

  • Du hast Freude daran zu beten, regelmäßig mit ihm sprechen.
  • zu hören auf sein Wort: immer wieder offen werden für seine Stärkung und danach fragen, was er heute von mir erwartet.
  • zu wachsen und zu lernen: den eigenen Weg prägen lassen von Jesus Christus und in der Gemeinschaft seiner Kirche.
  • mitzuwirken, dass Menschen heute aufmerksam werden können auf ihn und sein Wirken.

Du suchst ein Lebensumfeld, eine Lebensform, in der diese Sehnsucht nach Gott Gestalt bekommen und Nahrung finden kann.
Das ist vielleicht die Lebensform des benediktinischen Mönchtums mit ihrer Verbindung von gemeinsamem und persönlichem Gebet, von Arbeit und Wirken in verschiedenen Berufen und Diensten und dem Leben in brüderlicher Gemeinschaft.
Wir unterstützen dich dabei zu prüfen, ob ein solches Leben als Mönch in unserer Gemeinschaft in Trier und auf der Huysburgder Weg ist, auf den Jesus Christus dich ruft.
Dazu steht Bruder Antonius als Gesprächspartner und Begleiter zur Verfügung: pfeil@huysburg.de

Schritte beim Zugang zum Leben als Mönch

Praktikum
Wer in unserer Gemeinschaft Mönch werden will, wird nach dem ersten Kennenlernen zu einem mindestens zweiwöchigen Praktikum ins Kloster Huysburg kommen, bei dem er das Beten, Arbeiten und das Leben der Gemeinschaft so weit wie möglich teilt und von einem Verantwortlichen begleitet wird.

Kandidatur
Mit der Annahme durch den Abt beginnt die Kandidatur. Diese Zeit dient dem näheren Kennenlernen der Gemeinschaft und der Klärung der wechselseitigen Erwartungen, der Prüfung der notwendigen Voraussetzungen sowie der Hinführung zu einer Vor-Entscheidung.
In dieser Zeit wohnt der Kandidat nicht im Kloster, kommt aber häufiger zum Mitleben und -Arbeiten in die Gemeinschaft.
Die Dauer der Kandidatur wird individuell festgelegt; maximal beträgt sie zwei Jahre.

Noviziat
Ab dem Beginn des etwa dreimonatigen Postulats, das der weiteren praktischen Eingewöhnung in das Mönchsleben dient, lebt der Kandidat in der Gemeinschaft, und zwar im Kloster Huysburg. Dort finden Postulat und Noviziat unserer Gemeinschaft statt.
Beim Noviziat handelt es sich um eine Zeit der Einführung in das Leben als Mönch und der Prüfung der Eignung für das Gemeinschaftsleben. Deshalb ist das Noviziat eine Zeit deutlicher Zurückgezogenheit und Sammlung. Um sich ganz auf die Einführung ins Mönchsleben und seine Prüfung konzentrieren zu können, übt der Novize auch keine Berufstätigkeit aus und befasst sich nicht mit einer Berufsausbildung. Das Programm der geistlichen Ausbildung und der Arbeit wird auf die Kenntnisse des Novizen und seine Begabungen abgestimmt. Das Noviziat dauert ein Jahr und kann um ein halbes Jahr verlängert werden.
Kommt eine der beiden Seiten – der Novize oder die Gemeinschaft – zu dem Schluss, dass das Leben im Mönchtum nicht sein Weg ist, kann das Noviziat auch früher beendet werden. Eine Bindung besteht in dieser Zeit nicht.

Triennat
Wenn die Gemeinschaft der Brüder zustimmt, verpflichtet sich der neue Bruder nach dem Noviziat zunächst für drei Jahre zum Leben als Mönch.
In dieser Zeit übernimmt er normalerweise die Verantwortung für eine Aufgabe im Bereich der Gemeinschaft oder widmet sich der Fortsetzung seiner Berufsausbildung bzw. beginnt eine neue. Im Lauf des Triennats verbringt der neue Bruder eine längere Zeit (ca. ein Jahr) in der Abtei in Trier.

Feierliche Profess
Am Ende des Triennats steht die Entscheidung über die Widmung des ganzen Lebens an Jesus Christus als Mönch auf Lebenszeit an, mit der die volle Mitgliedschaft in der Gemeinschaft verbunden ist (Feierliche Profess). Dazu ist die Zustimmung der Gemeinschaft erforderlich.

Der Kreuzgang bildet den Kern des Klosters: Er verbindet alle wichtigen Räume miteinander, ist aber auch ein Ort der Stille. Er gehört zur "äußeren" Klausur, die wir mit unseren Gästen und Mitarbeitern nutzen. Die "innere" Klausur (der eigentliche Wohnbereich) ist nur der Gemeinschaft zugänglich ist.
Der Kreuzgang bildet den Kern des Klosters: Er verbindet alle wichtigen Räume miteinander, ist aber auch ein Ort der Stille. Er gehört zur "äußeren" Klausur, die wir mit unseren Gästen und Mitarbeitern nutzen. Die "innere" Klausur (der eigentliche Wohnbereich) ist nur der Gemeinschaft zugänglich ist.

Beziehung und Einsamkeit

Zum Mönchtum gehört die Suche nach Einsamkeit ebenso wie der Wunsch nach Austausch und Kontakt. Die richtige Spannung von Einsamkeit und Kontakt ist für unser Leben hier in St. Matthias wichtig.

Gäste

Eine gewisse Besonderheit unserer Abtei gegenüber anderen Klöstern liegt vielleicht in der Art, wie wir Gäste aufnehmen. Gerade bei der Aufnahme von Gästen zeigt sich die oben genannte Spannung. Ein Teil unseres großen Hauses ist nur den Mönchen zugänglich. Diese sogenannte Klausur ist der engere Lebensraum unserer Gemeinschaft. Einige Gemeinschaftsräume, den Kreuzgang und den Park benutzen wir mit unseren Gästen gemeinsam. Die Gäste nehmen an unseren Mahlzeiten teil und können beim Gottesdienst bei den Mönchen Platz nehmen. Nach einem ersten Gefühl der Fremdheit empfinden unsere Gäste diese Art der Teilnahme an unserem Leben als wohltuend. Manche nehmen auch die Gelegenheit zur Mitarbeit wahr.
Zu uns kommen sowohl Einzelgäste, als auch Gruppen, die sich mit ihrem Glauben befassen wollen. Viele wollen auch nur einmal ein Kloster kennen lernen. Neben der Aufnahme im Kloster besteht auch für kleinere Gruppen in der Zeit zwischen Ostern und der Pilgerzeit im Herbst eine Unterbringungsmöglichkeit im „Roten Igel“. Der „Rote Igel“ ist ein Selbstversorgerhaus (mit ganz einfachem Standard) auf dem Gelände der Abtei.
Die Aufnahme von Gästen ist ein wesentliches Element benediktinischen Mönchtums. Es ist eine Weise, den Menschen von der Liebe Gottes zu künden. Aber auch wir erfahren durch unsere Gäste immer wieder Zuwendung und Anregung.

Beziehungen

Ein Mönch lebt zwar ehelos, aber nicht ohne menschliche Beziehungen. Wir bilden vielmehr eine Lebensgemeinschaft von Brüdern, in der wir versuchen, Freude und Leid miteinander zu teilen. Wir sehen einen Auftrag des Evangeliums darin, den anderen Bruder in seinen Fehlern und Schwächen und in seiner Verschiedenheit anzunehmen. Bei dem einen Bruder wird einem das leichter fallen als bei dem anderen. Wir halten eine solche unterschiedliche Nähe der Brüder zueinander für menschlich angemessen, solange keiner aus der Gemeinschaft hinausgedrängt wird. Der Mönch hat aber nicht nur Beziehungen zu seinen Brüdern. Auch Kontakte und Freundschaften zu Menschen außerhalb der Gemeinschaft sind uns wichtig. Sie können sich anregend auswirken für das Leben des Einzelnen wie für das der Gemeinschaft und bewahren uns vor Isolierung. Grenzen sind diesen Beziehungen gesetzt durch die Zurückgezogenheit, in der wir gleichzeitig leben wollen. So werden wir manchen Kontakt nicht so gestalten können, wie wir es im Hinblick auf die Beziehung eigentlich möchten.

Zurückgezogenheit

Das Kloster ist für den Mönch nicht nur ein Ort der Gemeinschaft, sondern auch der Rahmen für Sammlung und Zurückgezogenheit. Wir haben uns bewusst von Ansprüchen gesellschaftlicher Verflechtungen und persönlicher Bindungen distanziert, um uns auf die Anliegen des Evangeliums zu konzentrieren. So schränken wir unsere Reisen auf notwendige Anlässe ein. Neben der jährlichen Erholungszeit sind dies im allgemeinen Aufträge der Gemeinschaft oder berufliche Fortbildung. Ebenso üben wir in der Freizeitgestaltung eine gewisse Zurückhaltung.

Zurückgezogenheit und Sammlung kommen nicht nur unserem inneren Weg zugute, sondern auch dem Umgang miteinander, den Kontakten zu anderen Menschen und der Erfüllung unserer Aufgaben.

Abtei St. Scholastika in Dinklage
Abtei St. Scholastika in Dinklage

Kontakte der Gemeinschaft

Kontakte zu anderen Gemeinschaften

Neben persönlichen Beziehungen pflegen wir auch Freundschaften zu anderen Gemeinschaften.

Eine tiefere Verbundenheit besteht mit der Abtei St. Scholastika in Dinklage, einer benediktinischen Frauengemeinschaft. Wir stützen einander in der gemeinsamen Berufung zum Mönchtum und helfen uns auch gegenseitig.
Link: www.abteiburgdinklage.de

Ursprünglich eine Gründung von Krankenschwestern 1919, entstand in den 40er Jahren des vergangenen Jahrhundert das Kloster St. Gertrud in Berlin-Alexanderdorf. 1949 ging eine Gruppe von Schwestern nach Dinklage um dort ein neues Kloster aufzubauen. Heute leben in Berlin 22 Schwetern nach der Regel des Hl. Benedikt. Zu beiden Klöstern bestehen freundschaftliche Beziehungen.
Link: www.kloster-alexanderdorf.de

Weiterhin stehen wir mit der anglikanischen Gemeinschaft von der Auferstehung (Community of the Resurrection, Mirfield in England) in einer Partnerschaft. Zur Pflege dieser Beziehungen gehört ein jährlich Besuch einer Delegation in beiden Gemeinschaften bzw. ein Besuch aus beiden Gemeinschaften bei uns.
Link: www.mirfield.org.uk

Daneben unterhalten wir auch Kontakte zu einigen evangelischen Kommunitäten und den benachbarten Mönchsgemeinschaften sowie den verschiedenen Ordenshäusern in unserer Stadt.

Kongregation und Orden

Die Benediktiner gehören zu den alten Mönchsorden. Ihre Organisationseinheit ist daher das einzelne Kloster (Abtei oder Priorat), das in allen Lebensbelangen grundsätzlich selbständig ist. Eine Gruppe von Benediktinerklöstern bildet jeweils eine Kongregation, die ihre eigene Rechtssatzung (Konstitution) hat; an ihrer Spitze steht ein Abtpräses.
Seit 1980 gehört unsere Abtei der Verkündigungskongregation an (Congregatio Annuntiationis BMV). Sie ist von Belgien ausgegangen und hat heute 28 Mitgliedsgemeinschaften in aller Welt. Auch mit einigen dieser Gemeinschaften, besonders den belgischen, stehen wir in anregendem Kontakt. Dem Austausch und der gegenseitigen Hilfeleistung dienen Besuche, das Kongregationskapitel (die Beratung gemeinsamer Belange alle vier Jahre) und die kanonische Visitation in regelmäßigen Abständen (Überprüfung unserer Lebensform als Mönche durch den Abtpräses).
Die benediktinische Konföderation, der sogenannte Benediktinerorden, besteht gegenwärtig aus 21 Kongregationen. In diesem sind ca. 220 selbständige Klöster mit insgesamt etwa 10.000 Mönchen zusammengeschlossen. An der Spitze des Ordens steht der Abtprimas, der seine Mitglieder repräsentiert und in ihren gemeinsamen Anliegen tätig wird. Der Benediktinerorden hat eine stark föderalistische Struktur. Sein Zusammenhalt gründet in der Prägung durch die benediktinische Tradition. Die Einzelheiten der Lebensgestaltung sind von Kongregation zu Kongregation und auch innerhalb jeder Kongregation von Kloster zu Kloster unterschiedlich. Besonders deutlich ist der Unterschied in der Gewichtsverteilung zwischen Tätigkeit (insbesondere außerhalb der Gemeinschaft) und Zurückgezogenheit. So kann man nicht ohne weiteres von einem Kloster auf das andere schließen.

Hier finden Sie noch einige interessante Links:

Benediktiner in Deutschland: www.benediktiner.de

Benediktinerinnen in Deutschland: www.benediktinerinnen.de

Benediktiner weltweit: www.osb.org

Ordensgemeinschaften in Deutschland: www.orden.de

Informationen über das Bistum Trier: www.diozese-trier.de